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Neues altes Haus

Aus Alt mach Neu war gestern. Während viele Bauherren sich damit abmühen, einem alten Haus, den nötigen neuen Anstrich zu geben, hat es eine Familie aus dem Westerwald nun genau andersherum gemacht. Ein Neubau durfte mit viel Arbeit aufeinmal “alt aussehen”.

Sie konnten sich gerade noch so zurückhalten, die blaugrauen Schieferplatten auf dem Dach auch noch mit Moos zu beziehen. Die Familie erfüllte sich einen Traum auf einem alten Mühlengrund. Ein Westerwälder Landhaus wurde nach historischem Vorbild außen, und modernster energiesparender Technik innen, gebaut.

Alles macht einen alten Eindruck, musste aber dennoch erst neu angeschafft werden. Grob behauene Grauwacke aus der Zeit des Phanerozoikums bilden die zweischalige Außenmauer von 60 Zentimetern. Die Dachfläche, eher verspielt, besteht aus 400 Millionen Jahre altem Devon-Schiefer und restauriertes Eichenfachwerk aus em vorigen Jahrhundert diente zum Ausbau des Dachgeschosses. Alles, was optisch in ein vergangenes Jahrhundert passt, hat Familie Simon über Jahre hinweg gesammelt und zusammengetragen. Von Antiquitätenhändlern, Flohmärkten und Internetauktionen. So zieren nun ausgeschliffene Stufen aus Basalt aus einem Abbruchhaus den Eingangsbereich, die Fliesen vor dem Kamin kommen aus einer alten Villa und die Eingangstür stammt aus der Gründerzeit.

Vor sechs Jahren gedieh die Idee, auf dem alten Mühlengraben die passende Hülle für all die historischen Schätze zu bauen. Im Buch eines Nachbarn sah Stefan Simon, wie früher im Westerwald gebaut wurde und fand, dass die alten Häuser Wärme ausstrahlen. Die Beschreibungen und Skizzen von einem Haus, das aussieht, als hätte es schon immer dieses Fleckchen Erde geziert, war genau das, was sie suchten. Die Planung des neuen Hauses mit altem Schliff war dabei leichter als gedacht. Es waren nur ein paar simple Dinge zu berücksichtigen, wie z.B. die Fenstermaße. So sollen alle Fenster die gleiche Größe haben. Nur der Giebelbereich musste man einen Kompromiss eingehen und die Fenstergröße der Giebelhöhe anpassen.

Dafür war man bei der Dacheindeckung kompromisslos und entschied sich für Schiefer. Dieser Naturstein aus den Tiefen der Erde konnte sich den feinen Formen der Gauben und Kehlen gut anpassen und verband Tradiotion mit Moderne. Es wurde dabei eine Schuppendeckung vorgenommen, die bei sehr detaillierten Dächern nicht nur für einen Hingucker, sondern auch für Langlebigkeit sorgt. Denn Schieferdächer trotzen Wind und Wetter länger, als ihr Bauherr unter ihnen wohnen kann. Auch heute ist der Schiefer wieder ein beliebter Baustoff, der viele ökologische und ökonomische Vorteile und viele Gestaltungsmöglichkeiten mit sich bringt.

Bauherr Stefan Simon ist natürlich besonders stolz auf sein gelungenes Zusammspiel von Alt und Neu. Denn trotz aller nostalgischer Träumerei hat man im mittleren Alter auch Ansprüche an einen modernen Lebenskomfort. Von oben bis unten energiesparend ist das Landhaus mit effizient gedämmtem Dachfirst und Kellerboden, Fensterstürzen aus Naturstein und Kohleherd im Foyer, der dank moderne Brennwerttechnik die 2000 Quadratmeter mit Wärme versorgt. Gemütlich wird es durch alte Eichendielen, wobei die knarrenden Türen an ihre Herkunft aus der Gründerzeit erinnern.

Nach einem Jahr Arbeit, war der Traum komplett. Der Bäckermeister, der auch bei seinem Handwerk für Tradiotionelles, Selbstgemachtes einsteht, will nun noch das Nebengebäude fertigstellen. Hier sollen Schaumühle und Schaubäckerei entstehen, die anschaulich machen, wie früher im Westerwald das Getreide zu Brot verarbeitet wurde, mit einigen Sammlerstücken mehr verziert.

Das lebendige Museum schreitet also voran.

Das Richtfest

Das Richtfest ist seit geraumen Zeiten Symbol dafür, dass die erste, vielleicht größte Hürde beim Hausbau geschafft ist. Wenn die Form des Hauses schon erahnt, Rohbau mit Dachstuhl zufirieden angeschaut werden kann, soll dies gebührend gefeiert werden.

Dieses Richtfest geht auf das 14. Jahrhundert zurück, wobei das “Aufrichten” des Dachstuhls sein feierliches Ende nehmen soll. Obwohl von fast jedem schon einmal miterlebt und mitgefeiert, wissen die Wenigsten, was bei einem solchen Fest alles zu beachten und zu berücksichtigen ist. Angefangen bei der Suche nach dem richtigen Termin bis hin zum Ablauf.

Die Örtlichkeit ist natürlich die Baustelle selbst und gefeiert werden sollen all diejenigen, die geholfen haben, das Haus bis dahin in seiner Form zu errichten. Der Bauherr bedankt sich also an der geleisteten Arbeit der Zimmerleute und Bauarbeiter.

Doch wer wird überhaupt eingeladen? Darüber sollte man sich schon frühzeitig Gedanken machen, denn wenn es erstmal soweit ist, muss es schnell gehen. Und manch wichtige Person ist verärgert, wenn man sie auf der Gästeliste vergisst. Auf die Liste gehören alle am Bau beteiligten Meister, Gesellen, Azubis der Gewerkschaften und Baufirmen sowie auch Architekt und Statiker. Sind diese bedacht, kommen natürlich noch Freunde und Verwandte, alle Helfer und neuen Nachbarn hinzu, die das eigens errichtete Heim bestaunen wollen. Natürlich können auch diejenigen, die nicht eigens Hand angelegt, sondern im Vorfeld gewirkt haben, wie Vertreter des Bauamtes, der Bank oder der Notar, eine Einladung zum Feiern bekommen. Revanchiert wird sich mit kleinen Präsenten beim Bauherren. Am Besten natürlich solche, die sich in das neue Haus einpassen.

Haben sich dann alle Gäste an der Baustelle eingefunden, werden sie vom Bauherren in Empfang genommen, um dann zum feierlichen Teil überzugehen. Der Richtkranz aus Zweigen, Blüten und Bändern, wird am Dachstuhl befestigt. Daraufhin wird der letzte Nagel vom Bauherren eingeschlagen. Wird dieser schief, muss er es erneut versuchen.

Von Zimmerleuten oder dem Polier wird der Richtspruch getan. Damit wird nochmals allen gedankt und um Gottes Segen gebeten. Anschließend wird ein Glas Sekt oder Schnaps geleert und vom Dach geworfen- Scherben bringen ja bekannterweise Glück.

Zum Schluss folgt noch der Höhepunkt- der Richtschmaus. Mit reichlichem und zünftigem Essen und Trinken kann das Richtfest dann richtig beginnen, bevor es in den folgenden Tagen dann wieder an die Arbeit geht. Wie schon beim Rohbau, kann man sich auch für den Innenrohbau und späteren -ausbau mit den richtigen Produkten von Auro eindecken. Die Arbeit muss allerdings selbst gemacht werden. Und mit etwas Fleiß und Mühe, kann das nächste Fest kommen- dann unter einem gedeckten Dach.